Mein Leben im Tschad
Die junge Niederländerin Esmara ist seit März MAF-Länderdirektorin im Tschad. Sie berichtet über ihre Ankunft, ihre ersten Eindrücke und die Herausforderungen ihres neuen Lebens in Zentralafrika.
Als ich im März dieses Jahres im Tschad ankam – zunächst als stellvertretende Länderdirektorin – war ich sehr gespannt. Nach einem Jahr intensiver Vorbereitung konnte ich endlich starten. Die Ankunft in einem neuen Land bringt viele neue Erfahrungen mit sich.
Ich kam während der Trockenzeit an: über 35 Grad Celsius. Der Staub war allgegenwärtig – Frauen kehrten ihn täglich von den Strassen, und auch in meinem Haus auf dem MAF-Gelände sammelte er sich schnell wieder an. Dazu kommen die neuen Geräusche: Jeden Tag höre ich sowohl die Kirchenglocken als auch den Ruf der Moschee zum Gebet.

Die Mehrheit der Menschen im Tschad ist muslimisch. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Männer in der langen, weissen traditionellen Jalabiya, kombiniert mit einem Turban, am Strassenrand auf ihren Gebetsteppichen knien. Das erinnert mich daran, warum ich hier bin: Ich möchte den Menschen im Tschad Hoffnung und Glauben bringen.
Vom Dorf in den Niederlanden ins Herz Afrikas
Ich bin 27 Jahre alt und komme aus einem kleinen Dorf in Zeeland, in den Niederlanden. Nach meinem Studium im Bereich internationale Entwicklung suchte ich nach einer Möglichkeit, meinen Glauben und meine Leidenschaft für Entwicklungsarbeit zu verbinden. MAF war für mich die perfekte Kombination.
Zwei Jahre lang arbeitete ich im MAF-Büro in den Niederlanden in der Spendenbeschaffung, organisierte den Tag der offenen Tür und war Teil des Teams für Wirkungsmessung. Dabei durfte ich verschiedene MAF-Programme in Liberia, Südsudan, Papua-Neuguinea und Osttimor besuchen. Diese Reisen öffneten mir die Augen: Ich sah, welchen Unterschied MAF-Flüge für isolierte Menschen machen – und der Wunsch, selbst im Ausland zu dienen, wuchs immer stärker. Mit der neuen Rolle im Tschad öffnete sich schliesslich die Tür.

Fliegen, um Leben zu verändern
Der Tschad ist riesig. Eine Reise von der Hauptstadt N’Djamena in den Norden dauert mit dem Auto oft drei Tage oder länger – über staubige Sandpisten, die sich in der Regenzeit in Schlammlöcher verwandeln. MAF-Flüge verkürzen diese Strecke auf wenige Stunden.
Ich durfte selbst auf einigen Flügen mitfliegen und mit eigenen Augen sehen, was MAF möglich macht: Ärztinnen, Lehrkräfte und Hilfsteams können Menschen erreichen, die sonst völlig abgeschnitten wären. Das ist zutiefst bewegend.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft
Wenn ich an das kommende Jahr denke, hoffe ich, dass MAF weiterhin unsere Partnerorganisationen unterstützen kann – um isolierte und leidende Menschen im Tschad mit Hilfe und Hoffnung zu erreichen.
Im Osten des Landes ist die Situation besonders schwierig: Viele Flüchtlinge kommen über die sudanesische Grenze und leben in provisorischen Lagern. Ein Cholera-Ausbruch verschärft die Lage zusätzlich. Gemeinsam mit unseren Partnern suchen wir Wege, um hier gezielt zu helfen.


