„Man sieht sie regelrecht aufblühen“
Wenn Frauen mit einer Geburtsverletzung in Juba aus dem Flugzeug steigen, tragen viele Jahre voller Schmerz und Scham mit sich. Akoot Dhieu erlebt im MAF-Buchungsbüro, wie dieselben Frauen nach der Behandlung verändert zurückkehren.
Jahre voller Scham und Schweigen Wenn die Frauen nach der Landung in Juba aus dem MAF-Flugzeug steigen, sind sie meist nicht nur erschöpft von der Reise. Das Leben selbst hat sie zermürbt. „Solange ihr Problem nicht gelöst ist, wollen sie kaum mit Menschen in Kontakt treten. Sie tragen die Stigmatisierung bereits in sich. Wenn man sie etwas fragt, können sie kaum antworten, weil die Scham so tief sitzt“, sagt Akoot.

Akoot Dhieu arbeitet im Buchungsbüro von MAF in Juba, Südsudan. Von ihrem Schreibtisch aus erlebt sie, wie Frauen aus entlegenen Regionen des Landes eingeflogen werden, um eine lebensverändernde Operation zu erhalten. In einem Land, in dem fast 80 Prozent der Bevölkerung in ländlichen Gebieten leben, kennt Akoot die Herausforderungen rund um Schwangerschaft und Geburt. „In den Dörfern kann bei einer Geburt vieles schieflaufen. Wenn Frauen nicht ins Spital kommen, kann die Situation sehr schwierig werden“, sagt sie. Erst durch ihre Arbeit bei MAF wurde ihr bewusst, wie gross das Leid vieler Betroffener ist. „Ganz ehrlich: Zum ersten Mal hörte ich von Fisteln, als ich von den Patientinnen erfuhr, die MAF unterstützt. Ich bin ausgebildete Sozialarbeiterin – und selbst ich wusste nicht, was diese Frauen wirklich durchmachen.“

Aufrecht zurück ins Leben
Den Wandel hat sie mit eigenen Augen gesehen: „Nach der Behandlung merkt man sofort, wie sehr sie sich freuen, einen zu sehen. Sie sind glücklich und haben ein grosses Lächeln im Gesicht. Sie sind nicht mehr scheu. Man sieht sie regelrecht aufblühen – in ihrem Gesicht und an ihrer Haut. Der Unterschied ist so gross, dass man kaum glauben kann, dass es dieselben Frauen sind, die völlig erschöpft angekommen sind.“
Wenn die Frauen bereit sind, nach Hause zu reisen, wirkt alles verändert. Befreit von den Symptomen und dem Stigma einer erniedrigenden Krankheit sind sie nicht länger Patientinnen, sondern Reisende auf dem Weg zurück in ihr Leben – mit neuem Selbstvertrauen und neuer Freude. „Diese Fistel-Flüge sind etwas Besonderes“, sagt Akoot. „Es ist wertvolle Arbeit, die MAF unterstützt. Ich bin sehr stolz, ein Teil davon zu sein.“

Fakten über geburtshilfliche Fisteln
Die geburtshilfliche Fistel ist eine schwere Geburtsverletzung, die nach langwierigen und komplizierten Geburten ohne medizinische Fachbegleitung entstehen kann. Sie verursacht häufig chronischen Harn- oder Stuhlverlust. Weltweit leben schätzungsweise 500'000 Frauen mit einer Fistel – die meisten in Entwicklungsländern. Im Südsudan sind es geschätzte 60'000 Frauen.

