Jenseits der Landepiste: neuste Technologien und Innovationen
MAF erreicht mit Flugzeugen einige der entlegensten Orte der Welt. Doch wo keine Landepiste existiert, endet Hilfe oft an geografischen Grenzen. Neue Drohnentechnologie könnte das ändern – und Menschen erreichen, die bisher abgeschnitten blieben.
Wenn in einer abgelegenen Gesundheitsstation Medikamente ausgehen, Ersatzteile fehlen oder dringend benötigte Hilfsgüter gebraucht werden, zählt jede Stunde. MAF kann viele dieser Orte per Flugzeug erreichen. Doch manche Orte liegen so isoliert, dass selbst dort kein Flugzeug landen kann. Genau hier beginnt die Vision von Dave Waterman. Seit 2017 arbeitet er für MAF. Zuerst war er als Ingenieur in Uganda und Liberia im Einsatz. Heute leitet er als Projektmanager für Flotteninnovation die Suchen ach neuen technischen Lösungen.
„Als ich zu MAF kam, dachte ich, das Flugzeug mache alles möglich“, sagt Dave. „Doch ich habe gelernt: Ein Flugzeug ist nur ein Werkzeug. Entscheidend sind die Menschen und die Hilfe, die dadurch ankommt.“ Bisher habe vor allem eines Grenzen gesetzt: die fehlende Landepiste. „Mit Drohnen braucht es keine Landepiste mehr. Die Frage ist also: Können wir weiter gehen? Können wir mehr tun? Wenn wir über die Landepiste hinauskommen, können wir Isolation durchbrechen.“
Dave weiss, was Unsicherheit für Menschen in abgelegenen Regionen bedeutet. Wenn Vorräte in einer kleinen Klinik knapp werden, müssen Mitarbeitende entscheiden, wem sie zuerst helfen können – und wem nicht. Eine Drohne könnte diese belastende Wartezeit deutlich verkürzen. Kleinere Lieferungen könnten gezielt aus der Luft direkt an schwer erreichbare Orte gebracht werden.
„Bei vielem geht es um Würde“, sagt Dave. „Wenn in einer kleinen Gesundheitsstation die Vorräte schwinden, sollte es gar nicht erst zum Engpasskommen. Menschen sollen dort helfen können im Wissen, dass Nachschub unterwegs ist.“ Viele verbinden Drohnen entweder mit Freizeitgeräten oder mit Waffen. Dave prüft deshalb gezielt Systeme, die für humanitäre Einsätze geeignet sind – robust, zuverlässig und einsetzbar unter schwierigen Bedingungen.
Damit knüpft MAF an die eigene Geschichte an. Auch die Gründer der Organisation nutzten einst Technik aus Kriegszeiten für einen neuen Zweck: Menschen in abgelegenen Regionen zu erreichen. „In sechs bis zwölf Monaten werden wir wissen, ob das für uns realistisch ist“, sagt Dave. „Bei jedem Schritt fragen wir uns weiter, ob diese Technologie wirklich das leistet, was wir brauchen. Wenn ja, könnten wir in etwa drei Jahren ein Pilotprojekt starten.“
Bis 2030 könnte MAF – sofern sich der Nutzen bestätigt – eigene Drohnen einsetzen. Für Dave ist jedoch klar: Drohnen werden die Pilotinnen und Piloten von MAF nicht ersetzen. Flugzeuge bleiben unverzichtbar, besonders wenn Menschen transportiert oder grössere Lasten bewegt werden müssen. „Es geht darum, für jede Aufgabe das richtige Werkzeug zu wählen“, sagt er. „Die Cessna Caravan ist sehr effizient, wenn Menschen und Fracht an mehrere Orte gebracht werden müssen. Für kleinere Lieferungen unter 300 Kilogramm kann eine Drohne sinnvoller sein. Wenn in einem abgelegenen Dorf ein Wasserfilter kaputt geht, könnte ein Ersatzteil in kurzer Zeit dort sein.“
Doch was Dave antreibt, ist nicht die Technologie selbst. „Am Ende zählt für mich weniger, welches Werkzeug wir dafür einsetzen. Entscheidend ist, dass Hilfe ankommt – und mit ihr Hoffnung und Heilung.“

Faktenblatt Innovationen
MAF prüft derzeit verschiedene aufstrebende Technologien. Dave Waterman erklärt, wie geeignet sie für den Einsatz in abgelegenen Regionen sein könnten:
· Nachhaltige Luftfahrt – Das passende Werkzeug für den jeweiligen Einsatz bringt die besten Resultate, besonders unter den schwierigen Bedingungen, in denen wir arbeiten. Kleinere Geräte verursachen grundsätzlich weniger CO₂. Gleichzeitig sind grössere Flugzeuge bei voller Auslastung ebenfalls effizienter – gemessen an den Emissionen pro Kilogramm Fracht.
- Drohnen – Sie eignen sich besonders gut für Orte ohne Landepiste, sei es durch senkrechte Landung, durch Abwurf aus der Luft oder dort, wo nur Platz für eine sehr kurze Start- und Landebahn ist. Für MAF könnte dies ein wichtiges Wachstumsfeld werden: Flugzeuge bringen Güter in entlegene Regionen, Drohnen übernehmen die letzte Strecke bis ans Ziel.
- Hybrid eVTOL – Dabei handelt es sich um Langstreckenversionen jener „Lufttaxis“, über die derzeit viel gesprochen wird. Wir betrachten Modelle, die auch konventionell starten und landen können. Sie könnten die Lücke zwischen kleineren vielseitigen Flugzeugen und der Cessna Caravan schliessen. Angetrieben werden sie elektrisch, verfügen aber zusätzlich über einen Generator mit Treibstoffantrieb zur Reichweitenverlängerung.
- Elektrischer Antrieb – MAF beobachtet die Entwicklung genau. Für viele Länder, in denen wir tätig sind, ist diese Technologie derzeit noch wenig geeignet – unter anderem wegen unzuverlässiger Stromversorgung sowie begrenzter Nutzlast und Reichweite. Möglichkeiten für Schulungsflugzeuge werden jedoch geprüft, abhängig von der Weiterentwicklung der Batterien.
- Wasserstoff – Auch diese Technologie wird beobachtet. Herausforderungen bestehen derzeit noch bei Reichweite, Nutzlast sowie Infrastruktur für Produktion und Lagerung von Wasserstoff.
- Alternative Flugzeugtypen – Derzeit werden neue Arten von Flugzeugen entwickelt und auf den Markt gebracht. MAF prüft diese laufend und zieht sie für künftige Einsätze in Betracht.
Wie das MAF-Magazin mein Leben verändert hat
Dave Waterman erzählt, was ihn dazu bewegt hat, Ingenieur zu werden und später mit MAF zu dienen. „Fliegerei hat mich schon immer fasziniert. Es gibt Fotos von mir, wie ich schon als Junge mit Freunden in Ultraleichtflugzeugen unterwegs war“, sagt er.
„Als ich 13 Jahre alt war, stellte mir jemand, der mein Interesse an der Luftfahrt kannte, MAF vor. Im Magazin sah ich eine Anzeige: Wir suchen Flugzeugingenieure. Und ich hatte den Eindruck, dass Gott mich genau dazu ruft. Ich habe mich damals nicht direkt beworben, aber ich nahm sofort Kontakt mit MAF auf und fragte: Was muss ich tun, um dies zu erreichen? Das gab meinem Leben eine Richtung – durch meine Ausbildung, die nötigen Qualifikationen als Flugzeugingenieur und alle weiteren Schritte auf dieses Ziel hin.“


