Die humanitäre Krise im Sudan: eine vergessene Tragödie
Der anhaltende Krieg im Sudan hat eine der schwersten humanitären Krisen der Gegenwart ausgelöst. Um die Not der Geflüchteten zu lindern, bündelt MAF Kräfte über die Ländergrenzen hinweg und will das Hilfsangebot weiter ausbauen.
Die Lage im Sudan eskaliert dramatisch. Der sogenannte «Krisenbogen des Sudan» hat sich zu einer Tragödie historischen Ausmasses entwickelt. Rund 12 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht, mehr als die Hälfte von ihnen sind Kinder. Angesichts drastischer Kürzungen bei den Geldern für die internationale Zusammenarbeit ist keine Entspannung in Sicht.

Zahlreiche Geflüchtete aus dem Sudan finden vorübergehend Schutz im Osten des Tschad. Doch die gewalttätigen Ausschreitungen greifen zunehmend auch auf dieses Land über. In der Region um Tiné, nahe der östlichen Grenze zum Sudan, verschärft sich die Sicherheitslage. Berichte über Drohnenangriffe und bewaffnete Auseinandersetzungen häufen sich. Die hohe Zahl der Verletzten bringt die Spitäler an ihre Belastungsgrenze. Die Menschen sind auf medizinische Versorgung angewiesen, doch die Materialien dazu fehlen.
Hilferuf erreicht MAF
Als MAF-Mitarbeiter John Feil im Tschad war, erreichte das Team eine E-Mail mit einem dringenden Hilferuf. Ein Spital in Tiné hatte innerhalb eines einzigen Tages mehr als 100 Verletzte aufgenommen. Den medizinischen Teams gingen lebenswichtige Medikamente und chirurgische Ausrüstung aus. Benötigt wurden unter anderem Operationssets und essenzielle Arzneimittel, und zwar «möglichst schon am nächsten Tag».
«Bei Notfalllieferungen ist der Strassentransport eine grosse Herausforderung, weil er rund fünf Tage dauert», erklärt John Feil. «Die Situation erforderte wegen der Dringlichkeit des Notfalls eine sofortige Reaktion.» Auf den Hilferuf hin führte MAF drei Frachtflüge durch. Ohne diese medizinischen Lieferungen wäre die Versorgung der Verletzten kaum möglich gewesen.
Flüge, die Leben retten
MAFs Landesdirektorin im Tschad, Esmara Gaalswijk, zeigte sich dankbar, dass die Organisation einen Beitrag zur Hilfe für die vom Sudankrieg betroffenen Menschen leisten konnte. «Es war beeindruckend zu sehen, wie wir alle Sitze aus der Cessna Caravan ausgebaut und den gesamten Innenraum mit dringend benötigten medizinischen Hilfsgütern gefüllt haben», erzählt sie. «Wir sind dankbar, dass wir, wenn auch nur in kleinem Umfang, einen Beitrag zur Bewältigung dieser anhaltenden humanitären Krise leisten konnten, indem wir diese lebensrettenden Medikamente eingeflogen haben.»

Der letzte Flug transportierte zudem Ausrüstung für einen mobilen Operationssaal, um Patientinnen und Patienten mit schweren Verletzungen behandeln zu können. «Dass ihr die gesamte Ausrüstung im Flugzeug unterbringen konntet, ist unserem Team in Tiné eine grosse Hilfe», sagte ein Vertreter der humanitären Organisation, die das Spital betreibt. «Vielen Dank auch für die hervorragende Zusammenarbeit. Ich habe noch nie erlebt, dass auf eine dringende Frachtanfrage so schnell reagiert und gehandelt wurde.»
MAF baut Hilfe aus
Unter dem Dach des «Sudan Response Collective» arbeiten die MAF-Teams aus dem Tschad, dem Südsudan, Uganda und dem Logistikzentrum in Kenia Hand in Hand. Ziel ist es, die Transportkapazitäten in der Region massiv auszuweiten, neue Aussenbasisstationen einzurichten und, sobald es die Sicherheitslage erlaubt, auch direkt im Sudan aktiv zu werden.

