Halt in haltlosen Zeiten

Die Welt fühlt sich für viele haltlos an. Kriege und die Klimakrise verunsichern, und ausgerechnet jetzt wird die internationale Zusammenarbeit geschwächt. Unter dem Motto «Halt in haltlosen Zeiten» stehen Schweizer Hilfswerke zusammen.

Eines der Plakate, die ab August in der Schweiz zu sehen sind: "Halt in haltlosen Zeiten"

MAF Schweiz ist eines von rund 40 Hilfswerken, die sich dieser Kampagne angeschlossen haben. Gemeinsam machen wir sichtbar, was oft untergeht: Auch in unsicheren Zeiten lässt sich etwas bewegen, wenn viele zusammenstehen.

Halt in haltlosen Zeiten: Warum diese Kampagne ins Leben gerufen wurde

Die Zahlen der letzten Jahre sprechen eine klare Sprache. 2025 gab es 65 bewaffnete Konflikte mit staatlicher Beteiligung, so viele wie seit 1946 nicht mehr. Ende Jahr waren fast 118 Millionen Menschen gewaltsam vertrieben. Dazu kommt die Klimakrise, deren Folgen längst sichtbar sind. Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen zerstören weltweit Lebensgrundlagen. Verlässliche Regeln und Institutionen verlieren an Kraft, und immer häufiger scheint nur noch das Recht des Stärkeren zu gelten.

Man würde erwarten, dass genau jetzt mehr investiert wird. Das Gegenteilpassiert. Die öffentlichen Gelder für Entwicklungszusammenarbeit sanken 2025 laut OECD um 23 Prozent, der stärkste je gemessene Rückgang. Die zweite Trump-Regierung hat kurz nach Amtsantritt drastisch gekürzt, und auch andere Geberländer ziehen ihre Beiträge zurück. Die Schweiz bildet keine Ausnahme. Sie ist weit vom vereinbarten 0,7-Prozent-Ziel entfernt, und in den aktuellen Spardebatten gehört die internationale Zusammenarbeit zu den ersten Posten, an denen gekürzt wird. Für die Menschen vor Ort heisst das konkret: Hilfsprogramme werden eingeschränkt, und Partnerorganisationen verlieren ihre Planungssicherheit. Genau deshalb ist diese Kampagne entstanden. Wenn die Unterstützung dort wegbricht, wo sie am dringendsten gebraucht wird, wollen die Schweizer Hilfswerke zeigen, dass ihre Arbeit nicht weniger wichtig wird, sondern wichtiger.

Halt entsteht, wenn Menschen füreinander einstehen

Halt entsteht nicht von oben. Er wächst dort, wo Menschen füreinander einstehen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam Perspektiven schaffen. Die Stärke der Hilfswerke liegt in der Nähe zu den Menschen. Wer vor Ort lebt, weiss am besten, was eine Gemeinschaft braucht und welche Lösungen wirklich tragen. Aus dieser Nähe entsteht viel. Lokale Partner stärken ihre Gemeinschaften, sichern Lebensgrundlagen und schaffen Räume, in denen Menschen ihre Rechtewahrnehmen können. Gemeinsam erreichen die Schweizer Hilfswerke jedes Jahr Millionen von Menschen. Was einzeln klein wirkt, bewegt in der Summe viel. Und das betrifft auch uns. Als vernetzter Kleinstaat ist die Schweiz auf stabile globale Verhältnisse angewiesen. Unser Wohlstand und unsere Sicherheit hängen davon ab, ob Menschen anderswo in Würde leben und eine Zukunft aufbauen können. Investieren wir in diese Arbeit, investieren wir auch in unsere eigene Stabilität.


Der Beitrag von MAF Schweiz

In diesem Netzwerk trägt jedes Hilfswerk auf seine Weise bei. MAF Schweiz tut dies mit dem, was wir am besten können: Menschen erreichen, die sonst kaum erreichbar sind.

Denn oft sind die Menschen dort, wo die Not am grössten ist, am schwersten zu erreichen. Strassen sind zerstört, in der Regenzeit unpassierbar oder zu gefährlich. Mit kleinen Flugzeugen bringt MAF Fachpersonal, Medikamente und Hilfsgüter in abgelegene Regionen, die auf dem Landweg Tage kosten würden oder gar nicht zu erreichen sind. Ein Flug ersetzt eine tagelange Reise über kaum befahrbare Pisten und macht medizinische Evakuierungen möglich, bei denen jede Stunde zählt. So ergänzt MAF die Arbeit vieler anderer Organisationen. Wo Partner an die Grenzen der Erreichbarkeit stossen, sorgen wir dafür, dass ihre Hilfe trotzdem ankommt. Gerade wenn Budgets schrumpfen, wird dieser Zugang wichtiger, denn ein Flug, der Tage spart, spart auch Kosten und rettet Leben.

Halt in haltlosen Zeiten heisst für MAF Schweiz deshalb vor allem eines: dafür sorgen, dass niemand unerreichbar bleibt. Das gelingt nur gemeinsam mit den anderen Hilfswerken und mit Menschen, die diese Arbeit mittragen.

Mehr zur Kampagne: www.swiss-ngo.ch

MAF Schweiz steht mit weiteren 40 Schweizer Hilfswerken zusammen für Halt, Hoffnung und Mut
Die Kampagne ist ab Ende August 2026 schweizweit sichtbar


Autor
Tamara Soppelsa
Information
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