Daniel verdankt sein Leben einem Rettungsflug
Daniel träumt davon, Anwalt zu werden und seinen Landsleuten im Südsudan zu helfen. Dass er heute überhaupt davon träumen kann, verdankt er einem MAF-Rettungsflug: Vor 20 Jahren fiel er als Kleinkind ins Feuer und schwebte in Lebensgefahr.

Heute sind kaum noch Narben von dem kochend heissen Wasser und der glühenden Holzkohle zu sehen. Als Kleinkind fiel Daniel in ein Feuer und stiess den Kochtopf seiner Mutter um. Seine Mutter Centina wird die Schreie ihres Sohnes vom 18. Juni 2005 nie vergessen.
“Daniel hat sich verbrannt. In unserem Dorf haben wir keine dieser modernen Küchen. Wir kochen auf dem Boden mit Brennholz”, erklärt Centina. “Er hatte gerade erst angefangen zu laufen und fiel in den Kochtopf. Er erlitt Verbrennungen an der gesamten rechten Seite, von der Hand bis zur Schulter. Die Haut war völlig weg – es war einfach nur weiss.”
Ein Kampf zwischen Leben und Tod
Das Krankenhaus von Yambio in West-Äquatorialag mehr als 3 Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. Als Daniel eingeliefert wurde, waren die Vorräte an Paracetamol aufgrund des gerade beendeten Bürgerkriegs erschöpft. Cetina war verzweifelt: “Wir verbrachten fünf Tage im Krankenhaus, aber Daniel ass nicht, er schlief nicht und er konnte nicht gestillt werden. Er schwebte zwischen Leben und Tod.”
So hatte Daniels Grossvater keine andere Wahl, als sich bei einem traditionellen Heiler Pythonfett zu beschaffen – ein lokales Heilmittel zur Behandlung von Verbrennungen.
Eine schicksalhafte Begegnung in London
Fast 6'500 Kilometer entfernt in Grossbritannien, nahm Daniels Vater, Pfarrer Samuel Peni, - heute Erzbischof der Provinz West-Äquatoria - an einem Austauschprogramm teil. Er hielt dort Vorträge über die Situation südsudanesischer Jugendlicher, die in einem kriegszerrütteten Land leben.
Samuel erfuhr am Vorabend eines Auftritts in London per E-Mail von der Notlage seines Sohnes. „Damals gab es keine verlässliche Kommunikation. Ich habe mindestens vier Tage lang nichts davon mitbekommen. In einer kurzen E-Mail hiess es, man wisse nicht, ob Daniel überleben würde”, erinnert sich Samuel. „Das Einzige, was ich tun konnte, war zu Gott um ein Wunder zu beten. Dann nahm ich wie geplant an der Podiumsdiskussion teil.“
Die Rettung aus der Luft
Pfarrer und Domherr Peter Marshall aus Nordwales sass im Publikum. In der Pause ging Peter zu Samuel hinüber und fragte ihn, wie es seiner Familie gehe. Dies löste eine Kettenreaktion aus, die letztendlich Daniels Leben rettete. „Als er das Wort ‘Familie’ erwähnte, hat mich das tief getroffen. Ich wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte. Als ich Peter die E-Mail zeigte, übernahm er es, MAF zu kontaktieren“, erklärt Samuel. MAF-Pilot Simon Wunderli holte Daniel und Centina schliesslich in Yambio ab und flog sie zur Behandlung in die ugandische Hauptstadt Kampala. Trotz der Vorbereitungen hing Daniels Leben am seidenen Faden. „Rettungsflüge können gut oder schlecht ausgehen, besonders an den Orten, an denen wir fliegen. An den meisten dieser Orte gibt es kaum medizinische Versorgung. Im Westen rufen wir einfach einen Krankenwagen. Dass ein Baby solche Verbrennungen überlebt, ist ungewöhnlich. Daher ist diese Erfolgsgeschichte fantastisch - sie macht unsere Arbeit bei MAF lohnenswert!“, erläutert Daniel.
Der heute 91-jährige Peter, der Daniels Ausbildung seit 21 Jahren unterstützt, ist überzeugt, dass dieser Rettungsflug von Gott gelenkt wurde: „Wir danken Gott und ich fühle mich privilegiert, ein Teil davon gewesen zu sein. Es ist einfach unglaublich!“, sagt Peter.

Ein Traum für die Zukunft
Centina ist Gott und MAF zutiefst dankbar: „Ich bin Gott so dankbar, dass MAF nach Yambio im Südsudan kommen konnte. Wäre MAF nicht da gewesen, um Daniel zu retten, wäre er nicht hier - er wäre gestorben. Dank MAF habe ich meinen Jungen heute noch. Er ist jetzt so ein grosser Junge!“
Auch Daniel blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. Er möchte Anwalt werden: „Es ist mein Traum, für Menschen zu sprechen, die sich nicht selbst verteidigen können. Ich glaube, dass derselbe Gott, der mir vor 20 Jahren geholfen hat, mir auch dabei helfen wird, meine Heimat Yambio und mein ganzes Land zu einem besseren Ort zu machen.“


